Rechtsschutzversicherung Test

Mediation und Rechtsschutz

Die Mediation eignet sich für die einvernehmliche Lösung von Konflikten im privaten wie im beruflichen Umfeld. Familien und Organisationen können diese Methode wählen, um einen Streit nicht durch ein Gerichtsverfahren weiter eskalieren zu lassen. Die Rechtsschutzversicherungen sichern Mediation in unterschiedlichem Ausmaß ab. Kostendeckung, Auswahl des Mediators und Durchführung sind teilweise sehr unterschiedlich geregelt.

Mediation und Rechtsschutz

Rechtsschutzversicherungen leisten längst nicht mehr nur für Anwaltskosten und Gerichtsverfahren. Bevor es zu einem Rechtsstreit kommt, können sich die Streitparteien zunächst auf den Versuch einer Vermittlung einlassen. Die Mediation ist beim Rechtsschutz eine zunehmend beliebte Alternative. Und auch in der Gesellschaft allgemein ist der Begriff Mediation weithin bekannt und geläufig.

Mit dem Abschluss einer Rechtsschutzversicherung ist üblicherweise auch die Deckung der Kosten für ein Mediationsverfahren geregelt. Der Leistungsumfang des Rechtsschutzes ist dabei meist entweder auf eine bestimmte Anzahl an Sitzungen im Jahr oder auf einen festen Betrag begrenzt. Dabei werben manche Versicherer mehr mit ihren Mediationsangeboten als andere. Versichert ist die einvernehmliche Konfliktlösung mittlerweile in den meisten Fällen. Ein Blick auf aktuelle Tarife der Anbieter von Rechtsschutzversicherungen zeigt die Unterschiede bei Kostendeckung und anderen Aspekten der Mediation.

Vorzüge der Mediation im Streitfall

Für Versicherungsnehmer hat im Streitfall die Mediation den Vorteil, dass bereits alle Beteiligten dem Verfahren zugestimmt haben. Dadurch besteht auf jeder Seite ein gewisser Wunsch, zu einer Lösung zu finden. Auch geht es nicht um die Auslegung von Gesetzen, sondern um die Ziele und Wünsche der Betroffenen. Am Ende einer Mediation gibt es nicht Sieger und Verlierer. Und anders als Richter können Mediatoren sich im Interesse einer nachhaltigen Lösung im Einzelfall stärker engagieren und mit besonderem Verständnis für die Situation die Streitenden zueinander führen.

Der Rechtsschutzversicherung kommt die Mediation zugute, weil sie die Unsicherheit von gerichtlichen Auseinandersetzungen vorerst vermeidet. Zudem erkennen mehr und mehr Versicherer, dass es nicht einfach nur um den Kostenunterschied zu einem Rechtsstreit geht. Die Versicherten zeigen sich meist zufriedener mit dem Ausgang einer Mediation als mit einer richterlichen Entscheidung. Deshalb wird von Rechtsschutzversicherungen Mediation als wichtiger Service im Interesse der Kunden begriffen. Doch die Kostenersparnis aufseiten der Versicherer ist ebenfalls ein Vorzug der Mediation.

Bei Detailfragen oder Sonderlösungen – bzw. wenn Sie mit unserem Tarifrechner nicht weiterkommen: Kontaktieren Sie uns per Mail an kontakt@transparent-beraten.de oder per Telefon unter 030 – 120 82 82 8 (Mo-Fr von 09:00 bis 18:00 Uhr) für eine maßgeschneiderte Lösung.

Telefonischer Mediationsdienst der Rechtsschutzversicherung

Wird die Mediation übers Telefon oder schriftlich durchgeführt, tritt der Vermittler abwechselnd mit der einen und dann mit der anderen Person in Kontakt. Zwar sind Telefonkonferenzen denkbar, aber das Prinzip der „Shuttle“-Mediation beruht auf einer schnellen Hilfe mit sachlicher Distanz des Mediators. Das lässt sich mit der rein telefonischen Konfliktlösung im Vergleich zur persönlichen Mediation ganz gut machen. Schließlich hat es für die Versicherten der Vorteil, dass klare Fälle zügig bearbeitet werden können. Und man muss in heiklen Situationen nicht dem Anderen persönlich gegenübersitzen.

Von Juristen und Verbraucherschützern dagegen wird die Shuttle-Methode prinzipiell kritisch gesehen. Es handle sich dabei nur begrenzt um eine echte Mediation. Denn es bräuchte eine Vertrauensbasis und ein Einfühlungsvermögen aufseiten des Mediators. Und dies sei allein am Telefon nicht gegeben. Kennt der Mediator die Betroffenen nur vom Telefon, liegt der Vorteil mitunter bei demjenigen, der sich am Telefon ins bessere Licht rücken kann.

Persönliche Mediation als besonderer Service

Wegen der großen Verbreitung telefonischer Mediation bei Rechtsschutzversicherungen handelt es sich bei persönlichen Mediation vor Ort und von Angesicht zu Angesicht nach wie vor um einen besonderen Service einzelner Versicherer. Dabei liegen die Vorteile für die Kunden eigentlich auf der Hand. Verständigen sich die Konfliktparteien auf eine Mediation „face to face“, dann fühlt man sich auch ernst genommen.

Freie Mediatoren und Agenturen verfolgen in der Regel ohnehin den Ansatz, dass Mediation von persönlicher Begegnung geprägt ist. Mit dem Fokus auf das Gewinnen von Verständnis für einen Konflikt und seine tiefer liegenden Ursachen ist die Präsenz vor Ort zweifellos unverzichtbar. Allerdings lässt sich ein Vermittler für diese Arbeit vermutlich mehr Zeit als bei der telefonischen Mediation, wie sie bei den allermeisten Rechtsschutzversicherungen üblich ist. Worin man bei kritischer Betrachtung einen Grund vermuten kann, warum nur bei einer kleinen Zahl Versicherer die persönliche Mediation vom Rechtsschutz abdeckt ist.

Rechtsschutzversicherung kann Mediator bestimmen

Vor dem Abschluss einer Rechtsschutzversicherung sollte geprüft werden, ob nur der Versicherer einen Mediator bestimmen kann. Einige Tarife erstatten die Kosten einer Mediation nur, wenn der Versicherer selbst einen Mediator ernennt. In diesem Fall wird es kritisch, bedenkt man das Prinzip der Neutralität. Mediatoren sollen sich der Allparteilichkeit verpflichtet fühlen und also die Interessen aller Konfliktparteien gleichermaßen vertreten.

Es kann den Versicherten allerdings auch den Aufwand sparen, sich selbst erst noch einen Mediator aussuchen zu müssen. Meistens weiß man dann gar nicht, für wen man sich entscheiden soll. Und nicht immer hat ein Mediator seinen Sitz in der Nähe. Hier kann die fehlende Wahlfreiheit wiederum eine gewisse Befreiung sein. Allerdings muss man dann darauf vertrauen können, dass der Rechtsschutzversicherer einen kompetenten Mediator bestimmt.

Das Mediationsgesetz

In Deutschland trat im Juli 2012 das Mediationsgesetz in Kraft. Es regelt die Umsetzung der EU-Mediationsrichtlinie in deutsches Recht. Bis dahin hat es keine Regelung außergerichtlicher, gerichtlicher und gerichtsnaher Mediation gegeben. Die verabschiedete Version des Mediationsgesetzes befasst sich in insgesamt 9 Artikeln mit der Definition von Mediationsverfahren und mit den Pflichten, denen ein Mediator unterliegt.

Im September 2017 veröffentlichte der Gesamtverband der Deutschen
Versicherungswirtschaft (GDV) eine eigene Stellungnahme zur Evaluation des Mediationsgesetzes durch die Bundesregierung. Eine Zusammenfassung findet sich hier.

Mediation oder Anwalt?

Gute Rechtsschutztarife gestalten die Integration von Mediation in ihre Leistungen flexibel. Es wird dann den Kunden überlassen, ob sie bei einem Konflikt den Rechtsweg beschreiten wollen. Dann wird ein Anwalt vermittelt. Oder man versucht es zunächst mit einer Mediation und hofft, dass sich die Eskalation zu einem Rechtsstreit vermeiden lässt. Denn es gibt Fälle, bei denen das Einschalten eines Anwalts den Streit erst noch verschärft.

Gerade wenn die Beteiligten nicht um jeden Preis im Recht sein wollen und bestimmte Ansprüche vertreten, eignet sich die Mediation sehr gut zur Konfliktlösung. Für einen brauchbaren Rechtsschutz kommt es deshalb darauf an, dem Versicherten die Wahl zu lassen, welchen Weg er gehen möchte. Das kann Tarife teurer werden lassen, als wenn immer erst eine Mediation durchgeführt werden muss. Wie die Einbindung der Mediation in die Schadensregelung der Rechtsschutzversicherung geregelt ist, das sollte schon beim Anbietervergleich berücksichtigt werden. Immerhin gibt es Versicherer, die eine Mediation zwingend vorschreiben, wenn man Leistungen in Anspruch nehmen will.

Tipp: Falls die Mediation scheitert

Sollte die Mediation nicht zur nachhaltigen Lösung eines Konfliktes führen, dann steht der Rechtsweg nachwievor offen. Auch der Rechtsschutz besteht weiterhin für das anstehende Gerichtsverfahren.

Mediation als Kriterium für Rechtsschutz-Tarifvergleich

Vergleicht man verschiedene Angebote miteinander, findet man in den Leistungen aktueller Rechtsschutzversicherungen durchaus den Punkt „Mediation“. Man erfährt, wie hoch die Deckungssumme für Mediationsverfahren von einzelnen Versicherern angesetzt wird. Je nach Tarifvariation lässt sich die Leistung hier noch etwas verbessern. Alles in Alllem aber erfährt man über wichtige Aspekte der Mediation nichts, wenn man sich an übliche Tarifrechner wendet. In standartisierten Angebotsrechnern, die viele Versicherer erfassen, fehlen Punkte wie die Durchführung der Mediation oder wer den Mediator bestimmt.

Als Kriterium für einen Vergleich aktueller Rechtsschutzversicherungen ist die Mediation ein Faktor, für den sich die Beratung durch einen unabhängigen Versicherungsexperten lohnt. Im Namen des Kunden können einzelne Versicherer genauer nach ihren Konditionen für eine Mediation befragt werden. Bis auch die gängisten Tarifrechner diese Leistung differenziert aufführen, hat man bei einem Makler die bessere Chance auf bestmöglichen Rechtsschutz.