Rechtsschutzversicherung Test

Privater Online-Rechtsschutz: Fallbeispiele und Ratgeber

Immer mehr Anbieter privater Rechtsschutzversicherungen nehmen das Gebiet Online-Rechtsschutz in ihr Portfolio auf. Entweder als eigenständige „Cyber-Versicherung“ oder als weiterer Baustein des bestehenden Angebots. Anhand von Beispielfällen finden Sie auf dieser Seite Informationen und Tipps zu 5 Gebieten des Online-Rechtsschutzes.

  1. Cybermobbing
  2. Identitätsmissbrauch beim Online-Shopping
  3. Unerlaubte Veröffentlichung von Fotos im Internet
  4. Ungewollte Nennung im Internet
  5. Erpressung nach Datenklau

1. Cybermobbing

Beispielfall: Mobbing auf Facebook und Co.

Frau Bergmanns Sohn wird nicht nur auf dem Schulhof von seinen Mitschülern drangsaliert. Auch online werden auf Facebook Bilder gepostet und herumgereicht, die sich über den Jungen lustig machen. Viele davon wurden heimlich aufgenommen. Herr und Frau Bergmann wollen ihrem Sohn helfen, das Cybermobbing zu beenden.

Das Mobbing von Mitschülern über Facebook nimmt stetig zu. Das Problem: Während man früher zumindest zuhause vor den Anfeindungen sicher war, erreicht Cybermobbing seine Opfer auch außerhalb der Schule.

Die heutigen technischen Möglichkeiten erlauben es, dass Mobbing rund um die Uhr und von jedem Ort aus weiter stattfinden kann. Die Opfer können sich zwar körperlich den Attacken entziehen, doch im virtuellen Raum gehen die Übergriffe ungestört weiter.

Auf der einen Seite sind die Betroffenen ohnmächtiger, da sie leichter zur unbeteiligten Zielscheibe von Hohn und Spott werden. Videoaufnahmen, Fotos und Gerüchte können vervielfältigt, geteilt und bearbeitet werden. Unmittelbar wehren können sich die Opfer nicht mehr, wofür sie beim analogen Mobbing zumindest noch die Chance haben.

Andererseits ist die Beweislage beim Cybermobbing eindeutig. Die veröffentlichten Kommentare, Bilder und Videos lassen es kaum zu, dass das Mobbing gegenüber Eltern, Lehrern und Polizei abgestritten werden kann.

Was Eltern bei Cybermobbing tun können

Wie beim analogen Mobbing können Eltern bei den Verantwortlichen (Lehrer, Schulleiter und die Eltern der Mobber) einschreiten und die Situation zur Sprache bringen. In besonders schweren Fällen sollte man nicht vor einer Strafanzeige zurückschrecken. Die Polizei als besondere Autorität kann Mobbing nachhaltig beenden helfen. Und durch die Gefahr auf eine Verurteilung der mutmaßlichen Mobber sind deren Eltern besonders motiviert, dem Treiben ein Ende zu setzen.

Wichtig: Kein Kontakt mit Mobbern!

Als Opfer von Cybermobbing sollte man nie auf die Mitteilungen reagieren, die von den Mobbern kommen.

Um sich direktem Mobbing zu entziehen, entfernt man ggf. Mobber aus der Kontaktliste und blockiert deren Profile.

Im Fall von Cybermobbing ist es besonders wichtig, alle auffindbaren Beweise zu sichern. Das kann durch Bildschirmfotos (engl.: screenshots) oder durch das Kopieren von herumgereichten Material geschehen. Am besten ist es, wenn die Beweissicherung im Beisein von Zeugen stattfindet. So lässt sich der Vorwurf der Manipulation abwehren.

Nachdem die Beweise gesichert sind, geht es darum, die Diffamierungen aus dem Netz zu bekommen. Dazu meldet man jeden Vorfall dem Seitenbetreiber, von dem man direkt die Löschung einfordert.

Experte Alexander Vorgerd meint:

Alexander VorgerdAuch wenn Cybermobbing in Deutschland kein eigener Straftatbestand ist: Es ist möglich, dass man die Cybermobber verklagt. Vor einem Zivilgericht kann eine einstweilige Verfügung beantragt werden. In härteren Fällen, beim Verdacht auf eine Straftat – auch eine einfache Beleidigung fällt darunter – muss die Polizei ermitteln. Erfolgt das Mobbing aus der Anonymität heraus, wird gegen Unbekannt ermittelt.

2. Identitätsmissbrauch beim Online-Shopping

Beispielfall: Onlineeinkäufe mit Kreditkartendaten

Herr Voigt stellt bei seinem monatlichen Blick auf die Kreditkartenrechnung fest, dass von einem Versandhändler größere Summen abgebucht werden sollen. Doch bei dem Unternehmen hat Herr Voigt keine Waren mit seiner Kreditkarte bestellt. Umgehend meldet er den Vorfall seinem Kreditinstitut.

Vor allem für Geschäfte mit ausländischen Händlern bleibt Kunden oft nur die Möglichkeit, mit Kreditkarte zu zahlen. Dabei besteht immer das Risiko, dass Kriminelle in das System des Händlers oder des Kreditinstituts eindringen. Kreditkartendaten sind auf dem Schwarzmarkt viel wert und daher begehrte Beute.

Datendiebe können aber auch erfolgreich den privaten Computer des Karteninhabers infizieren. Unachtsame Nutzer lassen sich täuschen und geben ihre Daten in ein fingiertes Formular ein. Auf diese Weise kann ebenfalls eine Vielzahl an Verbrauchern betrogen und geschädigt werden.

Illegal erlangte Kreditkartendaten können dazu benutzt werden, sich als der legitime Inhaber auszugeben. Die Identität des Kreditkartenhalters kann dazu missbraucht werden, weiteren Betrug zu begehen – im Namen des ursprünglichen Geschädigten.

Was Geschädigte tun können

Regelmäßiges Überprüfen der Kreditkartenabrechnung ist geboten. Nicht nur auffällig große Abbuchungen sind verdächtig. Auch Kleinstbeträge von 1 oder 2 Cent können bereits auf einen ersten Versuch der Betrüger hinweisen. Sie dienen den Kriminellen nämlich oft zum Test, ob sie vom Kreditinstitut unerkannt zuschlagen können.

Jede Art von Unregelmäßigkeiten ist so schnell wie möglich dem Herausgeber der Karte (meist der Bank) zu melden. Die Karte sollte gesperrt und ungewollte Abbuchungen reklamiert werden. Der mögliche Betrug ist unverzüglich zur Anzeige zu bringen und vom Institut schriftlich bestätigen zu lassen.

Experte Alexander Vorgerd meint:

Alexander VorgerdFolgen aus dem Missbrauch der Kreditkartendaten weitere Betrugsfälle, können Geschädigte in den Verdacht geraten, selbst kriminell gehandelt zu haben. Dagegen sollte mit der Unterstützung eines Anwalts vorgegangen werden.

Verlangt ein Händler vom Karteninhaber das Begleichen offener Rechnungen, kann gegen die Forderungen Widerspruch eingelegt werden. Gegen den Vorwurf, grob fahrlässig den Betrug ermöglicht zu haben, können sich Verbraucher ebenfalls über einen Anwalt zur Wehr setzen. Im schlimmsten Fall ist die Kreditwürdigkeit des Betrugsopfers bedroht. Auch hier kann anwaltliche Hilfe zur Bereinigung der Daten bei den Bonitätshäusern führen.

3. Unerlaubte Veröffentlichung von Fotos im Internet

Beispielfall: Peinliche Fotos ungefragt online gestellt

Maike ging auf eine Uni-Party, wo auch ein Fotograf unterwegs war. Mitunter peinliche Partyfotos tauchten auf den Facebook-Profilen diverser Partygäste und auch auf der Internetseite des Fotografen auf. Maike ist deutlich zu erkennen, wie sie ausgelassen und ungehemmt feierte. Nun will Maike nicht, dass sie in diesem Zustand hinterher öffentlich zu sehen ist. Sie befürchtet unter anderem, dass sie wegen der Bilder auf Bewerbungen eine Absage erhält. Auch ihre Reputation sieht Maike gefährdet. Und schon gar nicht sollen ihre Eltern die Fotos zu sehen bekommen.

Bei professionellen Fotografen sollte man davon ausgehen können, dass sie sich ihren Rechten und Pflichten bewusst sind. Für die Mehrheit der Menschen trifft dies womöglich nicht zu. Es braucht nur ein paar kleine Handgriffe und schon ist mit dem Smartphone eine Vielzahl an Schnappschüssen zu machen. Anders als mit einer klassischen Kamera lassen sich mit dem Handy viel einfacher auch unbemerkt Fotos machen.

Die allgegenwärtige Vernetzung ermöglicht es, in wenigen Sekunden Schnappschüsse ins Internet zu stellen und damit auch öffentlich zugänglich zu machen. Peinliche Momentaufnahmen können auf diesem Weg schnell von vielen Menschen gesehen und weiter verbreitet werden.

Was kann man gegen die Veröffentlichung tun?

Ohne gleich rechtlich gegen die Veröffentlichung vorzugehen, kann man zunächst den Betreiber der Internetseite bzw. den Inhaber eines Profils persönlich darum bitten, alle unerwünschten Fotos offline zu nehmen.

Auch unmittelbar nachdem das Foto gemacht worden ist, kann man den Ersteller dazu auffordern, es nicht zu veröffentlichen. Die sofortige Löschung kann ebenfalls rechtmäßig verlangt werden.

Experte Alexander Vorgerd meint:

Alexander VorgerdWelche rechtlichen Maßnahmen unternommen werden können, hängt vom Einzelfall ab. An erster Stelle aber steht die Durchsetzung des Unterlassungsanspruchs. Dazu zählt die Forderung, das entsprechende Foto aus dem Internet zu entfernen. Für analog angefertigte Aufnahmen können Betroffene auch die Vernichtung von Negativen verlangen.

Darüber hinaus können weitere Schritte notwendig sein. Je nachdem, was mit den Bildern nach ihrer Veröffentlichung geschehen ist. In besonders schweren Fällen einer Verletzung der Persönlichkeitsrechte kann Schadensersatz oder gar Schmerzensgeld verlangt werden.

4. Ungewollte Nennung im Internet

Beispielfall: Aushängeschild des Ex-Arbeitgebers

Heiko hat die letzten Jahre in einer kleinen Agentur gearbeitet. Als Neuzugang wurde er auf der Internetseite des Unternehmens offiziell vorgestellt und “beworben”. Nun hat Heiko die Firma verlassen und blickt kritisch auf seinen ehemaligen Arbeitgeber. Von der Agentur will er sich so weit wie möglich distanzieren. Nur taucht er weiterhin auf der Internetseite als Repräsentant des Unternehmens auf.

Um zu zeigen, dass hinter dem Firmenlogo auch Menschen stehen, präsentieren sich zahlreiche Unternehmen im Internet auch über ihre Mitarbeiter. In die Kamera lächelnd und mit ihrem Namen genannt stehen sie stellvertretend für ihre Firma und ihre eigene Arbeit. Fotos von Mitarbeitern auf der Internetseite des Unternehmens gehören zur modernen Außendarstellung.

Verlässt eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter das Unternehmen – egal aus welchen Gründen – werden die Fotos nicht immer automatisch entfernt. Der ehemalige Arbeitgeber könnte wollen, dass auch frühere Mitarbeiter als solche gelistet werden. Das ist auch im Interesse des Betroffenen, wenn die Zeit im Unternehmen allgemein positiv bewertet wird.

Der Nutzung für allgemeine Werbung zugestimmt

Es muss immer der Umfang geprüft werden, in dem die Nutzung zwischen Unternehmen und Mitarbeiter vereinbart worden ist.

Hat der Betroffene schriftlich einer Nutzung zu allgemeinen Werbezwecken zugestimmt, können Werbematerialien mit seinem Foto unter Umständen weiterhin genutzt werden.

Was nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen zu tun ist

Alle Fotos, welche die Bekanntheit und die Fähigkeiten eines Mitarbeiters betonen, sollten gelöscht werden. Das gilt prinzipiell für alle Internetauftritte des Unternehmens (z. B. Firmenblogs, Facebook-Profil, Twitter-Timeline).

Experte Alexander Vorgerd meint:

Alexander VorgerdSollte das Unternehmen auf eine einfache, vielleicht sogar formlose, Aufforderung nicht reagieren und die Fotos weiter online lassen, kann ein Anwalt helfen. Über ihn wird das Unternehmen aufgefordert, Nennungen und Abbildungen des Betroffenen zu entfernen.

Zunächst geht es auch darum, vom Unternehmen den Nachweis zu erhalten, dass der Mitarbeiter einer Veröffentlichung eingewilligt hatte.

5. Erpressung nach Datenklau

Beispielfall: Erpressung nach Datenklau

Marianne ist Moderatorin eines sehr beliebten Online-Magazins. Ihr Kanal läuft gut und viele Menschen besuchen ihre Videos. Eines Tages erhält sie eine Mail, in der ihr jemand damit droht, intime Bilder von ihr zu veröffentlichen. Der Erpresser behauptet, Nacktfotos von ihr erbeutet zu haben. Sollte sie die geforderte Summe nicht zahlen, würde das Material öffentlich werden. Marianne forscht zuerst bei ihrem Cloud-Anbieter nach und findet Hinweise auf Datenklau.

Cloud-Dienste sind besonders praktisch, um Dokumente von überall aus verfügbar zu haben, ohne dabei die Dateien auf dem eigenen Gerät speichern zu müssen. In der Vergangenheit kam es jedoch häufiger zu Datenlecks bei Online-Speicherdiensten. Vor allem private und intime Fotos von öffentlich bekannten Personen sind begehrte Beute.

Wer in den exklusiven Besitz von intimen Darstellungen gelangt, kann versuchen, die Betroffenen zu erpressen. Je prominenter die dargestellte Person, umso lukrativer erscheint Kriminellen dieser Weg.

Was man tun kann

Sofern der Diensteanbieter nicht selbst schon mit dem Vorfall an die Öffentlichkeit getreten ist, sollte der Verdacht auf ein Datenleck so schnell wie möglich an den Betreiber des Speicherdienstes gemeldet werden.

Für die Zukunft sollte man seine persönlichen Daten generell nur mit einem sicheren Passwort im Internet lagern. Bestenfalls richtet man sich seine private Cloud ein, auf die niemand sonst Zugriff hat.

Experte Alexander Vorgerd meint:

Alexander VorgerdGegen den Cloud-Betreiber, aus dem die privaten Fotos illegal entnommen worden sind, können Schadensersatzforderungen geltend gemacht werden. Den Versuch der Erpressung sollte man bei ernsthaftem Verdacht zur Anzeige bringen. Dabei handelt es sich schließlich um eine Straftat und die Polizei muss Ermittlungen aufnehmen – auch gegen Unbekannt.