Rechtsschutzversicherung Test

Rechtsschutzversicherung im Familienrecht

Als ausgesprochen komplexes und sensibles Rechtsgebiet wird das Familienrecht in den meisten Rechtsschutzversicherungen nur bedingt bedient: Steht eine Scheidung an oder drohen Auseinandersetzungen zum Unterhalt, werden in der Regel nur die Kosten für Erstberatungen durch einen Anwalt übernommen. Einzelne Anbieter gewähren dennoch einen umfassenden Versicherungsschutz.

Tarif-Bausteine im Familienrecht kombinieren

Rechtsschutz FamilienrechtEine Rechtsschutzversicherung übernimmt in sämtlichen Sparten des Privatrechts – je nach gewähltem Tarif – die Kosten einer juristischen Auseinandersetzung: Rechtsanwaltskosten, Gerichts- bzw. Prozesskosten sowie eventuell notwendige Aufwendungen für Sachverständige und Zeugen. Die gesamte Versicherungssparte ist modular aufgebaut. Wichtige Einzel-Bausteine wie zum Beispiel Arbeitsrecht, Erbrecht und eben auch Familienrecht lassen sich also miteinander kombinieren.

Das komplexe Rechtsgebiet Familienrecht ist ein Teilbereich des Privatrechtsschutzes. Aus diesem Grund bieten einige Anbieter die Familienrechtsschutzversicherung in Kombination mit weiteren Bausteinen des Privatrechts an.

Dieser Beitrag im Überblick:

  • Rechtsschutzbausteine individuell kombinieren
  • Grundlagen zur Rechtsschutzversicherung für Familienrecht
  • Leistungsumfang und Kosten
  • Versicherungsschutz für Scheidungen und Unterhalt als Ausnahme
  • Mediation als Alternative zum Gerichtsverfahren
  • Familienrechtsschutz: Sinn oder Unsinn?

Rechtsschutzversicherung für Familienrecht

Das Familienrecht befasst sich als Teilbereich des Privat- bzw. des Zivilrechts mit den Rechtsverhältnissen zwischen miteinander verbundenen Menschen, wie beispielsweise von Ehe- oder Lebenspartnern oder Verwandten. Gleichzeitig fallen auch die gesetzlichen Vertretungsfunktionen wie Vormundschaften, Betreuungen und Pflegschaften in dieses Rechtsgebiet.

Es gibt folgende Schwerpunkte im Familienrecht:

Scheidung und Trennung

Entschließen sich Ehe- oder Lebenspartner dazu, künftig getrennte Wege zu gehen, ist nicht nur das eingegangene Bündnis rechtswirksam aufzulösen, es sind insbesondere Vermögens- und Eigentumsfragen zu klären. Zur Wahrung der eigenen Rechte empfiehlt sich die Einschaltung eines fachkundigen Anwalts – insbesondere angesichts in einer emotionalen Ausnahmesituation.

Sorge- und Umgangsrecht

Die Interessen der gemeinsamen Kinder sollten bei einer Trennung oder Scheidung immer im Vordergrund stehen. In der Praxis gibt es jedoch oft genug Auseinandersetzungen zum Sorge- und Umgangsrecht, zumal sich die Rechtsprechung auf diesem Gebiet in den letzten Jahren geändert hat.

Unterhalt und Versorgungsausgleich

Sind die Aufgaben in einer Partnerschaft verteilt, weil beispielsweise eine Partei ein deutlich höheres Einkommen bezieht und die andere sich um die Kindererziehung kümmert, müssen im Zuge einer Trennung ausgleichende Maßnahmen ergriffen werden. Dies betrifft einerseits den Lebensunterhalt, andererseits aber auch die Rentenansprüche, die im Laufe der Partnerschaft erworben wurden.

Regelungen zur Eheschließung und Aufhebung

Sich im Vorfeld einer Eheschließung und damit in guten Zeiten für die möglichen schlechten vertraglich zu vereinbaren, kann im Ernstfall Streitigkeiten vermeiden.

Streitfälle zwischen Eltern und Kindern

Ob Kindes- oder Elternunterhalt – es gibt vielfältige Situationen, in denen sich Eltern und Kinder streiten können. Die Einbeziehung eines kompetenten Anwalts erhöht dabei die Chancen.

Betreuungsrecht

Können Erwachsene wegen psychischer Erkrankungen oder einer Behinderung nicht mehr ihre eigenen Interessen vertreten, wird zum Schutz ein rechtlicher Betreuer bestellt.

Adoptionsrecht

Die Einschaltung eines spezialisierten Rechtsanwaltes kann die Chancen auf eine Adoption erhöhen, sichert aber auch die umfassende Aufklärung in Bezug auf die vielfältigen Rechtsfolgen.

Das Rechtsgebiet ist also angesichts der sensiblen Themen sehr komplex, sodass sich die Einschaltung eines kompetenten Rechtsanwaltes durchaus empfiehlt.

Rechtsschutzversicherung für Familienrecht

Rechtsschutz für Familienrecht – Leistungsumfang bestimmt Kosten

Angesichts der mehr als 160.000 Scheidungen pro Jahr ist der Bedarf an einer Leistungsübernahme für die damit verbundenen und oft genug erheblichen Kosten nachvollziehbar. Grundsätzlich gehören Scheidungen und Auseinandersetzungen zum Unterhalt auch in das Leistungsspektrum einer Familienrechtsschutzversicherung, allerdings halten sich die meisten Rechtsschutzversicherer hier weitestgehend bedeckt: In der Regel sehen die Tarife nur eine Kostenübernahme für eine Erstberatung vor. Geht der Fall jedoch vor Gericht oder wird eine Mediation angestrebt, müssen Versicherte dafür selbst aufkommen. (Beachten Sie auch den Beitrag Die Leistungen der Rechtsschutzversicherung.)

Der Grund für diese Politik liegt auf der Hand. Angesichts der relativ hohen Wahrscheinlichkeit eines Leistungsfalls, der sich wiederum meist als kosten- und zeitintensiv erweist, könnte das aktuelle Beitragsniveau nicht gehalten werden. Letztendlich müssen die Beiträge nämlich die zu erbringenden Leistungen für die Versichertengemeinschaft decken. So ist es nicht verwunderlich, dass sich nur einzelne Anbieter überhaupt intensiver mit dem Thema Familienrechtsschutz befassen.

Auch Standard-Rechtsschutzversicherung lohnenswert

Schon die Beratung durch einen spezialisierten Rechtsanwalt ist sinnvoll, erhalten Sie doch zumindest einen grundlegenden Überblick zur Rechtslage bei einem familienrechtlichen Problem.

Seltene Ausnahme – Versicherungsschutz bei Scheidung

Einzelne Rechtsschutzversicherer weichen von der auf dem Versicherungsmarkt üblichen Vorgehensweise ab: Ein zusätzlicher Baustein zur Privatrechtsschutzversicherung verspricht Versicherungsschutz für den Fall einer Scheidung oder Streitigkeiten rund um den Unterhalt. Um die potenziellen Kosten kalkulierbar zu halten, gelten über die Grundsätze der Rechtsschutzversicherung hinaus ausgesprochen lange Wartezeiten: Als Vorsorgevertrag übernimmt eine Rechtsschutzversicherung generell nur die Leistungsfälle, die sich nach Vertragsbeginn anbahnen. Die Wartezeit für Scheidungsangelegenheiten beträgt auf drei Jahre. Darüber hinaus sind die Leistungen limitiert, beispielsweise werden maximal 30.000 Euro für alle anfallenden Kosten erstattet – alles Weitere muss der Versicherte selbst tragen.

Die Frage nach dem Unterhalt sollte nicht unterschätzt werden, ist sie doch nicht nur im Zusammenhang mit einer Scheidung zu beantworten. So kann das Sozialamt beispielsweise die Pflegeheimkosten anteilig auf Angehörige umlegen, reichen die Einkünfte der Eltern nicht aus. Dieser Elternunterhalt ist jedoch an Voraussetzungen gebunden, sodass sich die Prüfung der Haftung durch einen spezialisierten Anwalt lohnt. Ein häufiger Streitpunkt ist der Kindesunterhalt, den entweder die versorgenden Elternteile oder die Kinder selbst gerichtlich geltend machen können. Nur einzelne Rechtsschutzversicherer leisten über eine Beratung hinaus, allerdings gilt hier eine Wartezeit von einem Jahr, außerdem sind Leistungsgrenzen zu beachten.

Die Mediation: Alternative zum Gerichtsverfahren

Im Vergleich zum Gerichtsverfahren kann die Mediation nicht nur Zeit, sondern auch Kosten sparen: Die Streitparteien versuchen mit Hilfe eines neutralen Mediators, Ihre Konfliktpunkte außergerichtlich zu klären und tragfähige Lösungen zu vereinbaren. Auch die Rechtsschutzversicherer haben dieses Potenzial für sich erkannt und übernehmen zumindest zum Teil die Mediationskosten – allerdings in der Regel außerhalb des Familienrechts. Entscheiden sich Interessenten für einen speziellen Familienrechtsschutz-Baustein, sollten sie in jedem Fall darauf achten, dass die Kosten für die Mediation ebenfalls versichert sind – schon im eigenen Interesse.

Mediation wird größere Bedeutung gewinnen

Achten Sie bei der Auswahl eines Rechtsschutztarifes darauf, dass die Kosten für ein Mediationsverfahren mitversichert sind – Sie eröffnen sich somit eine Chance auf die Verkürzung des gesamten Verfahrens und niedrigere Kosten.

Familienrechtsschutzversicherung: Sinn oder Unsinn?

Das Familienrecht ist komplex, die Einschaltung eines Rechtsanwaltes ist durchaus angeraten. Die meisten Privatrechtsschutzversicherungen übernehmen jedoch nur die Kosten für eine Rechtsberatung (s. a. Rechtsschutzversicherung-Test). Versicherte erhalten somit zumindest eine Orientierung zur Rechtslage, alle weitergehenden Schritte müssen dann aus eigener Tasche bestritten werden. Angesichts der oftmals langwierigen und kostenintensiven rechtlichen Auseinandersetzungen im Familienrecht kann der Abschluss eines speziellen Zusatzbausteins, der von einzelnen Rechtsschutzversicherern angeboten wird, sinnvoll sein.

Interessenten sollten daher eine Kosten-Nutzen-Analyse vornehmen:

  1. Recherche der in Frage kommenden Tarife – mit und ohne Zusatzbaustein Familienrechtsschutz
  2. Berechnung des Mehrbeitrages angesichts der Wartezeiten von drei Jahren für Scheidungen und einem Jahr für Unterhaltsfragen
  3. Abwägung der potenziellen Kosten im Verhältnis zum Aufwand

Vergleichsrechner nutzen oder Spezialisten konsultieren

Unser Vergleichsrechner erlaubt es Ihnen, die zahlreichen Tarife Punkt für Punkt zu vergleichen und somit die in Frage kommenden zu selektieren. Bei Bedarf stehen unsere Spezialisten Ihnen zur professionellen Beratung zur Verfügung – nehmen Sie einfach mit uns Kontakt auf.

Welcher Anbieter der passende für Ihre Bedürfnisse ist, findet Ihr fachkundiger Versicherungsmakler für Sie heraus: Kontaktieren Sie uns per Telefon oder E-Mail – unverbindlich und kostenfrei: 030 – 120 82 82 8 (Mo – Fr: 9 – 18 Uhr) oder per E-Mail unter kontakt@transparent-beraten.de.